Unter dem Titel “Was glaubt ihr eigentlich, wer wir sind?” publizierte Hauptmann Dominik Wullers Ende 2013 einen Gastbeitrag in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Getreu dem Motto “Beschimpfungen, Hassmails, Hausverbot in Schulen: Wie Soldaten sich in Deutschland behandeln lassen müssen” greift er das Bild des Soldaten als “Berufsmörder” auf und versucht seine Zunft ins Licht der Friedensbringer zu rücken. Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr a.D., Vorstandmitglied der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsgegnerInnen (DFG-VK), antwortet mit Wir. Dienen. Dem Frieden. und plädiert für einen offenen Diskurs zwischen Bundeswehr und Zivilgesellschaft, auch in den Kasernen der Bundeswehr!

Dominik Wullers beginnt in seinem Gastbeitrag mit der Feststellung, dass er sich als Soldat dem Dienst an der Allgemeinheit verschrieben hat. Dazu gehöre, das “Recht und die Freiheit des deutschen Volkes zu verteidigen”, notfalls dafür zu sterben. Als “Vertreter von Einigkeit, Recht und Freiheit” macht ihn besonders die Anti-Bundeswehr-Haltung vieler Schulen wütend. Sein Kommentar: “Wenn Schüler nicht mehr mit Soldaten diskutieren dürfen, herrscht bald überall Frieden auf der Welt?” Ebenso skandalös seien die Zivilklauseln, die es einigen Universitäten verbieten, Kooperativen im militärischen Bereich einzugehen. Ein “offensichtlicher Eingriff in die Freiheit der Forschung” sei das. Abschließend zeichnet er ein Bild der Bundeswehr, die sich als Positivbeispiel für gesellschaftliche Integration auszeichne. Nach einer bestandenen Gefechtsübung gebe es keine Ausländer mehr, beschreibt er die “zusammenschweißende Wirkung” des Soldatenlebens.

Den Beitrag von Wullers kann man hier lesen: http://www.zeit.de/2013/48/soldaten-deutschland

In Wir. Dienen. Dem Frieden. greift Jürgen Rose Wullners Punkte auf und stellt zuerst das Bild des deutschen Soldaten in Frage, der Recht und Freiheit des deutschen Volkes verteidige. Nach dem Ende des Kalten Krieges habe die Bundeswehr sich in mindestens drei Fällen Völkerrechtswidrig verhalten, in Jugoslawien, in Afghanistan und zuletzt im Irak. Zum Vorwurf undemokratischen Verhaltens beim Ausschluss der Bundeswehr von vielen Schulen stimmt Rose Wullers zu. Es sollte ohne weiteres erlaubt sein, Schulen  zu besuchen und über die deutsche Sicherheitspolitik zu berichten. Allerdings schließt das erstens Werbung für die Bundeswehr aus und muss zweitens – als Gegenzug – ebenso zu Gesprächsrunden zwischen Soldaten und Pazifisten in Kasernen führen. Zwischen Bundeswehr und Zivilgesellschaft solle eine “diskursive Zweibahnstrasse” gebaut werden, wo in bester demokratischer Streitkultur offen, heftig und kontrovers diskutiert werden kann.

Die Antwort von Rose kann man hier lesen: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19877

Jürgen Rose ist Bundeswehrleutnant a.D. und Vorstandsmitglied des pazifistischen Arbeitskreises Darmstädter Signal. Passend zum Thema und besonders lesenswert ist sein Beitrag Ende des Sonderwegs” in dem er das Ende des Wehrdienstes begrüßt, seine historische Entwicklung skizziert und darlegt, wieso die Wehrpflicht ein Gegensatz zu Demokratie und Pluralismus ist, als Voraussetzung des totalen Krieges und als Relikt des kalten Krieges anzusehen gilt.