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Stell Dir vor, Du lebst in Kalatien. Lange Zeit war Dein Land Teil der Republik Ragasien und die Kalaten waren unterdrückt, doch seit einem Unabhängigkeitskrieg Ende der 90er, bei dem die NATO den Kalaten zur Hilfe kam ist Kalatien ein eigenständiger Staat. Nun sind in Deinem Heimatland 5000 Soldaten stationiert, die den Frieden zwischen Kalaten und Ragasen sichern sollen. Sie schützen die im Norden lebende ragasische Minderheit, die 10% der 2 Millionen Einwohner Kalatiens ausmacht.
Das Land ist seit dem Krieg von den Finanzierungshilfen der Europäischen Union abhängig und in einer wirtschaftlich sehr schlechten Lage. Fast die Hälfte aller Kalaten ist arbeitslos, Korruption ist allgegenwärtig und insbesondere die Energieversorgung verhindert eine wirtschaftliche Entwicklung. Stromausfälle und Versorgunsengpässe unterbrechen die Arbeit häufig. Denn der Strom für Kalatien kommt aus zwei stark veralteten Braunkohlekraftwerken, vor allem im Norden, wo die ragasische Minderheit lebt, ist die Stromversorgung sehr unregelmäßig.

Hier will die EU eingreifen. Sie hat der kalatischen Regierung 100 Millionen Euro zugesagt, wenn in Kalatien ein Volksentscheid durchgeführt wird, der über die Art der Energieversorgung entscheidet. Es gibt drei eingereichte Vorschläge. Die Regierung will ein neues Braunkohlekraftwerk bauen, die ragasische Minderheit wirbt für ein Wasserkraftwerk und die Organisation “The Green Move” will die Bevölkerung davon überzeugen, für eine
dezentrale Energieversorgung aus verschiedenen erneuerbaren Energiequellen zu stimmen.

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Nun beginnt das Planspiel. Die Schüler und Schülerinnen der 10. Klasse des John-Lennon-Gymnasiums in Berlin-Mitte werden in verschiedene Gruppen aufgeteilt und bekommen ihre Rollen. So ist der Raum um
8:30 am Montagmorgen mit Wirtschaftsvertretern, Regierungsvorsitzenden, Vertretern der Minderheit,
Jugendaktivisten und vielen anderen Akteuren Kalatiens gefüllt.

Die erste Praxiserfahrung mit dem von EN PAZ und CRISP gemeinsam entwickelten Planspiel beginnt.
Die Aufgabe ist klar. Zunächst müssen sich alle in ihren Gruppen über
die eigenen Ziele klar werden, drei der Gruppen haben einen eigenen Vorschlag – Sie müssen versuchen, die anderen Gruppen, von denen
jede eine bestimmt Stimmenzahl besitzt, von der Idee zu überzeugen. Andere Gruppen überlegen sich, was die eigenen Forderungen sind, die bei Zusage der Stimmen an eine der Gruppen erfüllt sein sollten. Nach einer kurzen internen Beratungsrunde beginnen die Verhandlungen. Der Raum ist erfüllt von Stimmengewirr, voller Überzeugungskraft diskutieren die Vertreter von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft miteinander und versuchen, Vereinbarungen zu treffen.

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Der Bauernverband ist interessiert an einer gesicherten  Wasserversorgung und an Arbeitsplätzen für die Bauern. Die Vertreter  des Stahlwerkes sagen 50 Millionen Euro zusätzlicher Unterstützung an  einen Vorschlag zu, der die dauerhafte Stromversorgung des  Stahlwerkes sicherstellt. Die ragasische Minderheit muss beachtet  werden, denn der Konflikt schwelt noch immer in Kalatien.

Eine Stunde lang laufen die Verhandlungen und jeder weiß: Wenn keine  Seite genug Stimmen auf ihre Seite ziehen kann, wird es gar kein Geld  von der Europäischen Union geben.
Schließlich wird abgestimmt und die Überraschung ist groß. Wider aller  Erwartungen haben “The Green Move” und die Regierung eine Einigung  erzielt und sich auf ein Konzept der erneuerbaren Energien und der Modernisierung eines alten Braunkohlekraftwerks verständigt. Mit überwältigender Mehrheit wird der Vorschlag angenommen – Nur die ragasische Minderheit fühlt sich übergangen.