Unser Workshop -Planspiel Finanzmärkte- am 14./15. Oktober bestand aus einem Pool von Experten die sich intensiv mit der Thematik tagtäglich auseinandersetzen (u. a. von Facing Finance, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Urgewald, Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V.) sowie zwei Planspielspezialisten (von CRISP e.V. und Planpolitik). Ohne Sie hätte sich der Inhalt nur schwer in eine Form bringen lassen, mit der man weiterarbeiten kann.

Ziel war es ein Grundgerüst für ein politischen Planspiels zur o. g. Thematik zu entwickeln. Wichtig war uns dabei, die Logik einzelner Akteure deren Wirkungszusammenhänge und Mechanismen in der Finanzwelt erkennbar zu machen und herauszuarbeiten um am Ende die Notwendigkeit einer zukunftsfähigen Alternative für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem zu unterstreichen.
Die Schwierigkeit für uns bestand/besteht vor allen Dingen darin, diese komplexen Strukturen der Finanzwirtschaft so herunter zu brechen, das wir insbesondere unserer „Zielgruppe“ (Schüler der 9. Bis 12. Klasse und Lehrer) die Möglichkeit verschaffen, in einem 3 bis 4 Stündigem Planspiel den Überblick in die Funktionsweise des Finanzmarktes und dessen Strukturen zu vermitteln.
Bevor wir mit den inhaltlichen Komponenten begonnen haben, eröffneten unsere Planspielexperten den Workshop mit einigen essenziellen Punkten an die Herangehensweise zur Entwicklung eines Planspiels.

 

1. Definition: Planspiele sind eine didaktische Methode, in welcher sich Teilnehmende in Gruppen mit einer vereinfachten politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Problemstellung interaktiv auseinandersetzen.
2. Merkmale:
a. Ausschnitt der Reellität
b. Konkrete Problemstellung, die eine Lösung verlangt
c. Rollenspielaspekt
d. Regelgeleitete Interaktion
3. Lernziele: Was ist das Lernziel? Was soll vermittelt werden?
a. Themenvermittlung => erfahrungsbasiertes Lernen
b. Perspektivwechsel => Empathie
c. Erfahren (politischer, sozialer) Dynamiken in Gruppen
d. Experimentieren => Laborsituation
4. Entwicklungsprozess:
a. Lernziele
b. Thema
c. Problemsituation
d. Setting/Akteure
5. Szenario:
a. Problemstellung mit Handlungsdruck
b. Story/ Konflikt sollte mehrere Möglichkeiten eröffnen
c. viele Akteure/ Strukturen
d. Spielmechanismus
e. Akteursballance
f. 18-35 TN => 9-15 Akteursgruppen
6. Weiteres
a. Realistisch vs. fiktiv
b. Ebenen: lokal/national/international
c. Darstellung der Alternativen in einer großen Pluralität (Vorgaben geben)
d. Ergebnisoffen gestalten
e. Alltagswissen
f. Ablaufplan
In einem intensiven Brainstorming diskutierten wir grundlegende Kernelemente des Finanzmarktes und sammelten Keywords um den Rahmen für das Planspiel abzustecken. Daraus entstanden folgende für uns relevante Elemente des Planspiels:
• Regellosigkeit (legal legitim)
• Entkoppelung (Finanz- Realwirtschaftliche Verantwortung)
• Verbraucherperspektive / Verständnislosigkeit
• Motivationsstruktur (Entscheider, Politiker, Verbraucher)
• Zeitdimension (kurzangfristig)
• Konsequenzen (Süd-Dimension)
• Alternativen (Demokratie / Mitbestimmung
• Spezifika der Finanzwirtschaft

Anschließend stellten wir Überlegungen an für ein mögliches Szenario. Dazu teilten wir uns mit je einem Planspielexperten in zwei kleinere Gruppen auf um effektiv zu einem Grundgerüst zu gelangen. Diese Überlegungen nehmen unsere Planspielexperten mit eine nächste Runde um ein finales Planspiel zu entwickeln.

Zur unterstützenden Nacharbeit möchte ich an dieser Stelle unsere im wesentlichen herausgearbeiteten Ziele des Planspiels nennen:

o Teilnehmer sollen einen Ausschnitt der Finanzwelt besser verstehen
o Wer sind die Akteure?
o Alternativen diskutieren (im Planspiel oder in der Auswertung)
o Auswirkungen sichtbar: wer profitiert, wer zahlt?
o Grundlegendes Verständnis
o Abstraktes greifbar machen
o Logik des Finanzmarktes (inkl. Zwänge) verdeutlichen
o Entkopplung: virtuelle Geldmenge => Steigerung der Machtverhältnisse
o Bewusstseinschaffen für Motivationsstruktur und Alternativen
o Akteurslogiken differenziert beleuchten
o Spaß am Planspiel!